Geschichte der Gewürze

Kaum ein anderes Lebensmittel hat die Geschichte der Menschheit so sehr geprägt wie die Gewürze. Sie gehören neben Seide, Gold und Edelsteinen zu den ältesten Handelsgütern der Welt und spielten jahrtausendelang eine so bedeutende wirtschaftliche und politische Rolle wie heute das Erdöl. Der Gewürzhandel löste in der Vergangenheit so manchen Krieg aus und war die treibende Kraft bei der Entdeckung Amerikas.

Die Verwendung von Gewürzen in der Küche ist heutzutage eine Selbstverständlichkeit. Sie sind praktisch für jedermann erschwinglich. Kaum einer vermag sich vorzustellen, wie es früher gewesen sein mag, als nur wenige Privilegierte in den Genuss dieser sündhaft teuren Luxusgüter kamen.

Die Geschichte der Gewürze ist eine sehr alte und lange. Sie führt zurück in die Jungsteinzeit um 7000 v. Chr. Schon damals fanden die Ureinwohner Mexikos Gefallen an den wild wachsenden Sorten von Chili. Für die Alte Welt liegt die Wiege der Gewürze jedoch in Indien, wo schon vor über 5000 Jahren Handel mit Safran, Gewürznelken, Pfeffer und Kardamon betrieben wurde. Das Vertriebsnetz erstreckte sich damals bereits von China, Persien, Mesopotamien bis nach Ägypten.

Phönizier und Araber übten zur Zeit der Pharaonen den Beruf des Gewürzhändlers aus. Funde von Gewürzrückständen in den Pyramiden zeugen von ihrer Verwendung als Würzmittel und als Heilmittel u.a. als Schutz vor Epidemien. So dass selbst Sklaven damals in den Genuss von Gewürzen kamen.

Hippokrates beschrieb um 400 v. Chr. über 230 Heilpflanzen in seinem Lehrbuch. Und im antiken Rom schätzte man Kümmel, Anis, Fenchel, Majoran und Thymian als Würzmittel in der Küche. Mit den römischen Legionären fanden schließlich viele Gewürze ihren Weg nach Mitteleuropa. Die Mittelmeerinseln, Mallorca, Kreta und Zypern waren in der Antike ein
Umschlagplatz für Tee und Gewürze.

Ab 100 v. Chr. kamen die hochgeschätzten Kostbarkeiten aus China und Indien über die Seidenstraßen auch nach Europa. Sie war seinerzeit der wichtigste Weg zum Austausch von Handelsgütern und Wissen zwischen der abendländischen, orientalischen und asiatischen Welt. Bis hin zu den Kreuzzügen im 11. Jahrhundert hatten die Städte Alexandria und Kairo das Handelsmonopol für den Gewürzhandel.

Einen großen Beitrag zur Vernetzung von Asien und Europa leistete die Mongolenherrschaft im 13. Jahrhundert. Sie ermöglichte italienischen Kaufleuten wie Marco Polo erstmals direkt zu den Anbauländern der Gewürze zu reisen und die italienischen Städte Venedig, Genua und Pisa mit Reichtum zu segnen.
Nahezu unglaublich war die Gewinnspanne bei Gewürzen seinerzeit. Auf dem Weg von Kalkutta nach Venedig musste mit einer Verhundertfachung des Wertes gerechnet werden. Exotische Gewürze galten im Mittelalter als Statussymbol und Pfeffer nicht nur als Gewürz sondern sogar als eine eigenständige Währung. Er war so kostbar, dass man ihn mit purem Gold aufwog. Steuern und Pacht wurden mit Gewürzen beglichen und selbst Bräute hatten seinerzeit einen „gepfefferten Preis“. Auch Safran und Ingwer waren unglaublich teuer: Für ein Pfund Safran erhielt man ein Pferd und für ein Pfund Ingwer ein Schaf.

Durch den Machtverlust der Mongolen in China und das Aufstreben der Ming-Dynastie brach der direkte Handel mit Europa ab, so dass Tripolis, Beirut und Alexandria wieder an Bedeutung gewannen.
Ende des 15. Jahrhunderts nutzten die Portugiesen die Gunst der Stunde. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Gewürzquellen Südostasiens nur auf dem mühsamen Landweg zu erreichen. Die günstige Lage am Atlantik verhalf Portugal eine mächtige Stellung beim Gewürzhandel einzunehmen. Vasco da Gama umsegelte Afrika und fand somit einen neuen Weg, die Zwischenhändler im Orient zu umgehen und auf direktem Wege an die teuren Kostbarkeiten aus Asien zu gelangen.
Kolumbus hingegen machte sich im Auftrag der spanischen Krone auf die Suche nach einem alternativen Seeweg nach Indien. Er brachte stattdessen die Gewürze der Neuen Welt nach Europa darunter Chili, Vanille und den Paprika.

Später mischten noch die Holländer mit ihrer großen Schiffsflotte mächtig im Geschäft der Gewürze mit. Sie eroberten die Molukken und somit gleichzeitig das damaligen Monopol auf Muskat und Gewürznelken. Mit der Holländisch-Ostindische Kompanie wurde die erste Aktiengesellschaft der Welt gegründet. Muskat- und Nelkenbäume duften nur auf den Molukkeninseln Ambon und Banda angebaut werden, alle anderen Bestände wurden zerstört und illegaler Anbau mit der Todesstrafe geahndet.
Um 1770 gelang es den Franzosen, geschmuggelte Nelken-, Zimt- und Muskatbäume auf den Seychellen anzubauen. Der Konkurrenzkampf um die Vorherrschaft im Gewürzhandel war immer noch enorm.

Die Engländer gründeten im Jahr 1600 die East India Company und beherrschten bald ganz Indien wirtschaftlich und politisch. Ende des 18. Jahrhundert wurde London zum wichtigsten Umschlagsplatz für die Kostbarkeiten aus Indien und Sri Lanka. Die Engländer machten schließlich die Gewürze zu einer Massenware und im 19. Jahrhundert verloren die einstigen Luxuswaren stark an Bedeutung. Das Würzen kam aus der Mode, die Nachfrage sank und Kaffee, Kakao sowie Zucker wurden zu wichtigen Handelsgütern.

Ein Comeback erlebten die Gewürze nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Reiselust des modernen Menschen bringt uns Mitteleuropäern die exotischen Küchen näher und verleitet dazu die wohlschmeckenden Aromen immer mehr in unserer Alltagsküche zu verwenden.

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Eine Reaktion zu “ Geschichte der Gewürze ”

  1. Prof. A. Schüßler

    Zum Thema Salz: Das sogenannte ,Kindertotensalz‘ hat seinen etwas makabren Namen von einer Prager Bruderschaft polnischer ,Żepętnik‘-Juden, die seit dem 12. Jh. bis heute Salz aus polnischen Salzstöcken mit den Gebeinen von unschuldig verstorbenen Kindern malen, die Eltern, die sich kein geweihtes Begräbnis leisten konnten, den Mönchen brachten. Das Salz wurde traditionell mit Pottasche versetzt, heute nur noch mit wenig Kümmel vermischt, und zu besonderen Anlässen verschenkt.

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