Kümmel würzt nicht nur Sauerkraut

weißer Wiesenkümmel

Kümmel wird schon seit Jahrtausenden in Europa als Gewürz verwendet. Das belegen Ausgrabungen von Pfahlbauten, die etwa 3000 Jahre vor Christus errichtet wurden. Dabei fand man auch Kümmelfrüchte, die offenbar bereits in dieser Zeit als Gewürz und Medizin dienten. Aus der Römerzeit sind ebenfalls zahlreiche Rezepte überliefert und im Mittelalter wurde der Doldenblütler in Klostergärten angebaut. Die Naturheilkundige Hildegard von Bingen empfiehlt in ihrem Werk „Physica“ den Kümmel bei Erkrankungen der Atemwege. Das im Kümmel enthaltene ätherische Öl mit dem Wirkstoff Carvon, der übrigens auch für den intensiven Kümmelgeruch sorgt, regt auch die Produktion von Magensäure an. Damit wirkt Kümmel appetitanregend und verdauungsfördernd. In der Pflanzenmedizin wird weiterhin die krampflösende und antibakterielle Wirkung im Magen-Darm-Bereich geschätzt. Kümmeltee ist ein wirksames Mittel bei Blähungen und kann nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch bei Kindern und sogar Säuglingen angewandt werden. Wird der Tee verschmäht, ist bei einem Blähbauch eine leichte Bauchmassage mit verdünntem Kümmelöl hilfreich, sofern keine Allergie vorliegt. Doch nicht nur für Babys, auch für stillende Mütter ist Kümmeltee zu empfehlen, denn er regt die Milchbildung an. Wer den reinen Kümmelgeschmack nicht mag, kann auch auf Anis-Kümmel-Fenchel Kräutertee ausweichen.

Im deutschsprachigen Raum spielt der Kümmel als Gewürz eine herausragende Rolle. Neben dem Pfeffer wird er in der Küche am häufigsten verwendet und er gehört zu den wenigen Würzpflanzen, die auch in Deutschland angebaut werden. Wild wächst die zweijährige Pflanze in mäßig feuchten, lehmigen Wiesen und an Wegrändern.
Sein unverwechselbares scharfes, brennendes und leicht süßliches Aroma verstärkt zwar den Eigengeschmack von Kohl und Kartoffeln, verträgt sich aber schlecht mit anderen Gewürzen, weil deren Aroma überlagert wird. Ausnahmen bilden Pfeffer und Knoblauch, die sich gut mit Kümmel ergänzen. Doch für Sauerkraut, Kohlgemüse und Kohleintöpfe, Pellkartoffeln und auch Schweinebraten ist loser Kümmel trotzdem das ideale Gewürz. Im Kräuterquark und im Brotteig wird gemahler Kümmel ebenfalls gern verwendet. Für die Thüringer Rostbratwurst und den bekannten Harzer Käse ist Kümmel typisch, auch verschiedene Schnittkäsesorten werden mit Kümmel angeboten. Und mit Kümmel bestreute Stangen aus Blätterteig sind eine beliebte Knabberei.

Nach einer fetten und schwer verdaulichen Mahlzeit wird gern ein Digestif mit Kümmel gereicht. Aquavit, der norddeutsche Köm, Allasch oder Danziger Goldwasser, alle diese Spirituosen enthalten Kümmel. Wer möchte, kann sich aus 0,7 Litern Doppelkorn oder Obstbrand, 125 Gramm weißen Kandiszucker und mindestens 20 Gramm Kümmelkörnern selbst einen Kümmellikör ansetzten. Ein Stängel Pfefferminze gibt dem Likör einen frischen Geschmack und wirkt außerdem dekorativ in der Flasche. Und für alle, die auf Alkohol verzichten wollen, hat ein Glas Kümmeltee die gleiche Wirkung.

Eine Reaktion zu “ Kümmel würzt nicht nur Sauerkraut ”

  1. Dennis

    Ein toller Artikel mit nutzbaren Informationen.

    Vielen Dank

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